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Berlin ist wahrhaftig eine Reise wert! Das konnten die 49 Teilnehmerinnen und Teilnehmer vom Selbsthilfeverband Schlaganfallbetroffener und gleichartig Behinderter (Gruppen Mörfelden, Wiesbaden, Frankfurt, Bad Homburg und Hattersheim) vom 25.-28.Oktober 2010 auf ihrer Informationsfahrt nach Berlin feststellen.
Wir hatten sowohl hin als auch zurück eine je etwa 7½-stündige staufreie und angenehme Gutwettter-Busfahrt. Buskapitän und Herr des Lenkrades war der uns bestens bekannte und bewährte Herr Bambay.
Eingeladen hatte das Bundespresseamt in Berlin auf Vermittlung des Bundestagsabgeordneten Prof. Dr. Heinz Riesenhuber, des Direktkandidaten unseres Wahlkreises Main–Taunus für die Bundestagswahl.
Dafür sei an dieser Stelle sehr herzlich gedankt!
Gruppenintern wurde die Reise wieder von Frau Lenz in altbewährt excellenter Weise vorbereitet. Auch ihr ein herzliches Danke!
Wie das nun mal so ist, wenn Engel mit leichten Fehlern reisen, dann lacht der Himmel - zwar nicht soo heftig, dass Regentränen fielen - aber das war uns auch lieber so. Auf diese Weise konnten wir uns sowohl auf der Fahrt als auch in Berlin an der farbenfrohen Herbstlaubfärbung der Bäume ausgiebig erfreuen. Besonders das Rollstuhl-Fahren ist bei trockenem Wetter wesentlich angenehmer als bei Regen.
Unser Standquartier hatten wir im "hotel du centre francais" in Wedding im Bezirk Berlin-Mitte. In dieses freundliche Hotel kehrten wir jeden Abend nach erlebnisreichem Tag zum Schlafen und Frühstücken zurück.
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Der erste Tag in Berlin begann nach einem guten Frühstück mit einer an politischen Gesichtspunkten orientierten Stadtrundfahrt in unserem eigenen Bus durch die Bundeshauptstadt. Herr Eden - unser Stadtführer - erläuterte uns sehr informativ und dennoch kurzweilig, mit eingestreutem feinem Humor, die wichtigsten Dinge am Tourweg.
Dabei sahen wir u. a. als Mahnmal verbliebene Reststücke der Mauer. Sie hatte mehr als 28 Jahre lang auf einer Länge von ca. 43 km stadtintern Berlin geteilt. Der ursprüngliche Verlauf der Mauer ist nach ihrem Abriss nach 1989 heute durch eine Doppelreihe in den Boden eingelassener Pflastersteine gekennzeichnet.
Außerdem lernten wir im Vorbeifahren viele mehr oder weniger geschichtsträchtige Bauten kennen, die von den Berlinern liebevoll mit Spitznamen belegt werden wie beispielsweise Telespargel (= Fernsehturm am Alexanderplatz), hohler Zahn (= Ruine der Kaiser-Friedrich-Gedächtniskirche), Waschmaschine (= Bundeskanzleramt), Goldelse (=Figur auf der Spitze der Berliner Siegessäule), Angies Bügeleisen (=Gebäude der CDU-Zentrale wegen seiner Form) oder schwangere Auster für das Haus der Kulturen der Welt.
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Gegen Mittag verließen wir das Berliner Stadtgebiet Richtung Potsdam über den 3 ½ km langen Kurfürstendamm. Er wurde 1542 als schmaler Dammreitweg für den Kurfürsten Joachim II. angelegt. Er diente als Verbindungsweg zwischen dem Berliner Stadtschloss und dem Jagdschloss Grunewald.
Nach einer Mittagsrast am Wannsee im idyllisch und versteckt gelegenen Wirtshaus "Moorlake" (es gab leckeren Sauerbraten, Klöße und Rotkohl) fuhren wir zum Schloss Cecilienhof.
In einer informativen Führung erfuhren wir Einzelheiten zum Potsdamer Abkommen der Siegermächte im 2. Weltkrieg (geografische und politische Neuordnung Deutschlands nach dem Krieg, Aufteilung Deutschlands in Besatzungszonen, seine Entmilitarisierung, die von Deutschland zu entrichtenden Reparationen und der Umgang mit deutschen Kriegsverbrechern). Zweiter Informationsblock waren organisatorische Interna der dazu vom 17. Juli bis 2. August 1945 von den drei Siegermächten abgehaltenen Konferenz.
Teilnehmer dieser Konferenz waren die Regierungschefs der drei Siegermächte Vereinigte Staaten von Amerika, Vereinigtes Königreich Großbritannien und die Sowjetunion.
Jeweils als Leiter ihrer Delegationen fungierten Winston Churchill, Harry S. Truman und Josef Stalin. Churchill wurde nach verlorener Unterhauswahl für die Restzeit der Konferenz durch Clement Attlee abgelöst. Gastgeber der Konferenz war Stalin, da Schloss Cecilienhof in der sowjetischen Zone lag. Frankreich nahm - da nicht eingeladen - an dieser Konferenz nicht teil, stimmte den Ergebnissen jedoch hinterher mit Vorbehalten zu.
Nach Abschluss unseres Besuches auf Schloss Cecilienhof machten wir noch einen Abstecher in das alte Russland in Form der russischen Kolonie Alexandrowka im Norden von Potsdam. Diese Kolonie ließ König Friedrich Wilhelm III. von Preußen in den Jahren 1826/27 für die letzten 12 Sänger eines russischen Soldatenchores und deren Angehörige errichten. Aufgrund der verwandtschaftlichen und freundschaftlichen Beziehungen zwischen den Häusern Hohenzollern und Romanow weilte der Chor als Geschenk des russischen Zaren in Potsdam.
Die Kolonie wurde vom Preußenkönig als Erinnerung an den 1825 verstorbenen Zar Alexander I. benannt. Sie bestand und besteht auch heute noch aus ein- und zweigeschossigen Giebelhäusern in typisch russischem Blockhausstil. Zu jedem Gehöft gehörte neben dem Wohnhaus ein geräumiger Garten und ein Stallgebäude.
Die Häuser der Siedlung sind auch heute noch bewohnt, allerdings heute überwiegend von Potsdamer Bürgern. Die Siedlung gehört seit 1999 zum UNESCO-Weltkulturerbe.
Der heutige Tag schloss ab mit einem Abendessen in Potsdam und einem individuellen Rundgang durch die Potsdamer Altstadt.
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Das politische Programm des zweiten Tages in Berlin begann um 10 Uhr mit
einem 1 ½ -stündigen Informationsgespräch im Bundesministerium für Gesundheit.
Herr Droste vom Referat Öffentlichkeitsarbeit stellte uns zunächst in Kurzform das Organigramm des Ministeriums vor.
Im Anschluss daran erläuterte er uns die Zusammenarbeit der einzelnen Gremien innerhalb des Gesundheitswesens auf Bundes-und Landesebene sowie deren Aufgaben und Kompetenzen.
Fragen unsererseits beantwortete Herr Droste ausführlich. Er machte u. a. folgende Angaben:
• Das deutsche Gesundheitssystem ist das leistungsstärkste Gesundheitssystem weltweit.
• Der deutsche Pharmamarkt ist der zweitteuerste in Europa.
• In Deutschland gibt es 160 verschiedene Krankenkassen, 70 Millionen gesetzlich Krankenversicherte und ca. 10 Mill. privat Krankenversicherte.
Wir hätten Herrn Droste noch eine Weile zuhören können.
Nach dem Mittagessen hatten wir Gelegenheit, entweder einen Bummel in der Umgebung des Gendarmenmarktes zu machen oder im Deutschen Dom am Gendarmenmarkt die sehr interessante Ausstellung "Wege, Irrwege, Umwege – Die Entwicklung der parlamentarischen Demokratie in Deutschland" zu besichtigen.
Es gab eine sehr schöne Nolde-Ausstellung und manche zogen es vor, eine gemütliche halbe Stunde bei Kaffee oder Tee und Kuchen in einem der vielen Cafés zu verbringen.
Dann ging es im Bus schon wieder ab in Richtung Deutscher Bundestag im Reichstagsgebäude am Platz der Republik.
Nach Passieren des Sicherheitschecks - ähnlich den Kontrollen an einem Flughafen - konnten wir von der Besuchertribüne über dem Plenarsaal aus einer Fragestunde im Bundestag zuhörend beiwohnen. Die Fragen befassten sich heute mit der Überwachung von erwarteten Protesten bei den bevorstehenden Castor-Transporten, der Ausbreitung der Cholera auf Haiti und noch einigen anderen Themen.
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Im Anschluss an den Besuch des Plenarsaals empfing uns um 17 Uhr Herr Professor Dr. Riesenhuber zu einer Diskussionsrunde.
Er ließ es sich nicht nehmen, gleich zu Anfang Herrn Martin Schulz zum Geburtstag zu gratulieren und ihm ein Geschenk zu überreichen.
Zur Sprache kam dann in der Diskussion u.a. die Wichtigkeit der Forschung, der große Mangel an Informationstechnikern, die zu niedrige Bezahlung der jungen Ärzte an Uni-Kliniken, die Schwierigkeit, Landärzte zu gewinnen oder Ärzte für Problembezirke in Großstädten, z.B. Berlin-Kreuzberg, zu bekommen.
Hier besteht ein großer Bedarf. Gesundheitsminister Dr. med. Rösler habe bereits einige Vorschläge zur Verbesserung der Situation ausgearbeitet.
Weitere Themen waren die schwierige Vermittlung von Schülern ohne Schulabschluss in die Arbeitswelt. Diesbezügliche Förderungsmaßnahmen durch die Bundesagentur für Arbeit können derzeit bedient werden, da die Arbeitslosigkeit geringer geworden und dadurch mehr finanzieller Spielraum vorhanden ist. Weitere Themen wurden angesprochen und entsprechende Fragen beantwortet.
Zum Abschluss hatten wir noch im Bundestag einen Fototermin mit Professor Dr. Riesenhuber!

Nun konnte der lang gehegte Wunsch vieler in Erfüllung gehen:
Bei Anbruch der Dunkelheit erklommen wir auf geschwungenen Wegen die gläserne Kuppel des Reichstagsgebäudes und hatten einen fantastischen Blick auf das illuminierte Berlin.
Es war ein beeindruckender Abschluss unserer politischen Bildungsreise.
Vieles mehr, als in einem kurzen Bericht erwähnt werden kann, haben wir gesehen und gehört.
Der Wegfall der Mauer hat unsere Bundeshauptstadt um vieles bereichert und verschönert, denn durch umfangreiche Restaurierungs- und Sanierungsarbeiten sind wunderschöne und geschichtsträchtige Bauten und Orte jetzt für alle Menschen erreichbar.
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In unmittelbarer Nähe des Brandenburger Tores war für uns eine leckere Abendmahlzeit vorbereitet. Nach dem Essen nahmen einige aus unserer Gruppe die Gelegenheit wahr, zu guter Letzt noch durch das Brandenburger Tor zu schreiten.
Nach diesen sehr interessanten und erlebnisreichen Tagen in der Bundeshauptstadt traten wir am nächsten Morgen zeitig unsere Heimreise an.
Wiederum bei strahlender Herbstsonne chauffierte uns Herr Bambay auf sicherem Pneu nach Hause. Kurz vor Frankfurt stimmte Herr Niederndorfer in Erinnerung an das just Erlebte das Lied "Bolle reiste jüngst zu Pfingsten …" an. Wir sangen alle kräftig mit.
Es ist zu vermuten, dass einige aus der Gruppe heimlich einen Koffer in Berlin zurückgelassen haben in der Hoffnung auf ein Wiedersehen.
Hans-Jörg und Elfriede Voss
Der Selbsthilfeverband Schlaganfallbetroffener und gleichartig Behinderter bedankt sich nochmals ganz herzlich bei Herrn Professor Dr. Riesenhuber, dass er uns diese schöne informative Fahrt nach Berlin ermöglicht hat.
Im Namen aller Teilnehmer:
Gisela Lenz 1. Vorsitzende SSB e. V.
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