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Unser Leben hat sich in den letzten Jahrzehnten stark verändert. Computer und Informationswissenschaften dominieren unseren Alltag. Insbesondere ältere Menschen fühlen sich von der Technik und der Dynamik des Fortschritts überfordert. In der Arbeitswelt werden Flexibilität und Mobilität vorausgesetzt und als Selbstverständlichkeit angesehen. Als mögliche Folge davon können Familienzusammenhalt und soziale Unterstützung abnehmen. Immer mehr Menschen leben allein und sind weitgehend auf sich selbst gestellt. Hohe Scheidungsraten sowie eine große Anzahl an alleinerziehenden Müttern und Vätern verkomplizieren das Familienleben. Diese Umstände können dazu führen, dass sich viele Betroffene sozial allein gelassen fühlen. Sie verlieren Zuversicht und Vertrauen in eine für sie positive Zukunft. Wenn diese Mutlosigkeit länger anhält und noch andere Faktoren wie beispielsweise eine schwere Krankheit hinzukommen, kann sich bei einigen Menschen eine Depression entwickeln.
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Eine schwere Erkrankung kann zum Beispiel ein Schlaganfall sein, der für die Betroffenen in ihrem Alltag möglicherweise schlimme Folgen mit sich bringt. In der Akutphase wird der Schlaganfall als ein lebensbedrohliches Ereignis wahrgenommen. Besonders belastend sind gravierende Beeinträchtigungen wie eine Körperlähmung oder eine Sprachstörung. Zermürbend sind die Angst vor einem erneuten Schlaganfall, einer drohenden Berufsunfähigkeit oder das Erleben einer plötzlichen Pflegeabhängigkeit. Lebensplanung und Zukunftsgestaltung sind von einem Tag auf den anderen unsicher und ungewiss geworden. Nicht wenige Patienten entwickeln nach einem Schlaganfall eine Depression, die auch als "Poststroke-Depression" bezeichnet wird. Die Angehörigen berichten oft von einer Antriebs- oder Initiativlosigkeit. Die Betroffenen ziehen sich sozial zurück. Sie zeigen wenig oder kein Interesse an normalen Aktivitäten und Vergnügungen. Sie fühlen sich müde, grübeln und klagen über Konzentrationsschwierigkeiten. Es fällt Ihnen schwer, Entscheidungen zu treffen. Andere zeigen eine innere Unruhe, sind aufgewühlt und kommen nicht zur Ruhe. Appetit und auch Schlaf können gestört sein. Bei sehr schweren Verläufen drängen sich Suizidgedanken auf oder es kann sogar zu einem Selbstmordversuch kommen. Man weiß, dass pessimistische Lebenseinstellungen, ein hohes subjektives Abhängigkeitsgefühl sowie starke Ängste die Entstehung depressiver Störungen nach einem Schlaganfall begünstigen können. Gerade in der Akutphase sind daher eine emotionale Unterstützung durch Familie oder Freunde, professionelle Hilfestellungen zur Krankheitsbewältigung sowie eine Hilfe zur Selbsthilfe wichtig. Den Betroffenen sollte ein größtmögliches Gefühl der Autonomie vermittelt werden. Nur so kann einer Depression gezielt vorgebeugt werden. Hier sind alle Berufsgruppen wie Mediziner, Pflegekräfte, Therapeuten und Psychologen gefordert.
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Kübler-Ross, eine Schweizer Ärztin, hat über viele Jahre hinweg Patienten mit sehr schweren Erkrankungen betreut und sich mit ihren psychischen Belastungen intensiv auseinandergesetzt. Sie beschreibt in eindrucksvoller Art und Weise, wie Betroffene versuchen, ihre schwere Krankheit zu bewältigen. Kennzeichnend für die Akutphase einer schweren Erkrankung sind bei vielen Menschen Verhaltensweisen, die mit Verdrängung und Verleugnung zu tun haben. Der Abwehrmechanismus der Verdrängung ist hier psychologisch als eine Form des Selbstschutzes zu verstehen. Das bewusste Wahrnehmen der Situation kann zutiefst erschüttern. Heftige Emotionen, Gefühlsausbrüche und Anschuldigungen begleiten die Anfangsphase. Erste Schritte zur Annahme der Erkrankung lassen den Betroffenen die Aussichtslosigkeit ihrer Situation bewusst werden, was mit Gefühlen der Verzweiflung und Resignation einhergeht. Bei einer gelungenen Krankheitsbewältigung versucht der Betroffene, der Realität ins Auge zu sehen, das Schicksal anzunehmen und zu akzeptieren. Er sucht nach neuen Wegen und Lösungen, um mit der Krankheit leben zu können. Selbsthilfegruppen haben hier einen hohen Stellenwert. Man kann sich mit anderen, die ein ähnliches Schicksal teilen, austauschen oder sich gegenseitig unterstützen.
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Fazit: Der Schlaganfall als lebensbedrohliches Ereignis kann die Entwicklung einer Depression begünstigen. Letztlich sind aber immer mehrere Faktoren für die Auslösung depressiver Symptome ausschlaggebend. Sowohl Umwelteinflüsse als auch bestimmte Denkmuster spielen hier eine große Rolle und bestimmen den weiteren Verlauf der Erkrankung. Soziale Vereinsamung, fehlende soziale Unterstützung sowie eine pessimistische Lebenseinstellung behindern den Heilungsprozess. Dagegen können eine bereits in der Akutphase einsetzende professionelle Hilfe zur Krankheitsbewältigung, emotionale Unterstützung durch Freunde und Familie, eine Hilfe zur Selbsthilfe oder auch eine psychotherapeutische Beratung und Therapie die Entwicklung einer schweren Depression verhindern.
Dr. phil. Claudia Sümpelmann
Diplom-Psychologin
Neurologische Klink
Krankenhaus Nordwest GmbH
Steinbacher Hohl 2-26
60488 Frankfurt am Main
Tel: 069-76014362
Mail: suempelmann.claudia@khnw.de
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