|
Problembeschreibung:
Nicht selten ist nach einem Schlaganfall auch die Steuerung der Gesichts- und Mundmuskulatur eingeschränkt. Die Störungen sind vielfältig: angefangen von einer Einschränkung bei der Mimik, Störungen der Sprache, dauerhafter Speichelfluss, Geschmacksveränderungen, Störungen des Kauvermögens, häufiges Verschlucken und Aspiration von Speichel, Getränken oder Speisen.
Je nach Ausprägung sind die Auswirkungen dieser Störungen einfach nur unangenehm bis hin zur massiven Einschränkung der Lebensqualität.
Die Störungen sind so vielfältig und schwierig zu beeinflussen, da die Sprache, wie auch der Kau – und Schluckvorgang sehr komplexe Vorgänge sind und dabei viele verschiedene Muskeln aufeinander abgestimmt arbeiten müssen.
Facio-orale Trakt Therapie (FOTT):
Bei der facio-oralen Trakt Therapie werden Nerven und Muskeln im Bereich (Trakt) des Gesichtes (facio) und des Mundes (oral) sowie der Schluckvorgang nach den Prinzipien der basalen Stimulation angeregt. Mit dieser Stimulation sollen folgende Ziele erreicht werden:
- Förderung der Wahrnehmung
- Spastizität reduzieren
- Gesteuerte Motorik verbessern
- Förderung der Fähigkeiten zum Kauen und Schlucken
- Verbesserung der Kommunikation durch Wiederherstellung der Gesichtsbewegungen, Stimm- und Sprachmodulation
nach
oben
Maßnahmen:
Stimulation der Gesichtsmuskulatur:
Vor der Mundpflege, vor dem Essen und vor Sprechübungen wird die gesamte Gesichtsmuskulatur stimuliert. Die Gesichtsmuskulatur wird von der Mitte nach außen ausgestrichen. Dabei sind die Prinzipien der basalen Stimulation zu beachten:
- immer seitengleich symmetrisch arbeiten
- der Körperkontakt zwischen dem Schlaganfallbetroffenen und dem Pflegenden bleibt während der Maßnahme immer erhalten
- der Betroffene soll die Berührung / Bewegung mitdenken und mitfühlen
Mundpflege:
Bei der Mundpflege werden die Innenseiten der Wangen stimuliert. Gute Erfahrungen wurden dabei mit weichen Kinderzahnbürsten gemacht. Diese werden mit Mullkompressen spiralförmig umwickelt, so dass das untere Ende der Kompresse mit dem Griff der Zahnbürste festgehalten werden kann. Anschließend wird die Zahnbürste mit der Kompresse angefeuchtet. Dann können die Innenseiten der Wangen von oben nach unten und von hinten nach vorne ausgewischt werden. Dabei wird jeweils zuerst die weniger betroffene, dann die betroffene Seite gepflegt.
Anschließend kann nach den gleichen Prinzipien das Zahnfleisch massiert werden und das vordere Drittel der Zunge stimuliert werden.
Abschließend wird ein Schluck Wasser abwechselnd in die Wangentaschen gepresst, die Lippen sind dabei fest geschlossen.
Essen anreichen:
Weiche Speisen (z.B. Joghurt, Kuchen, Obstbrei) möglicht mit einem Teelöffel anreichen, Beim Anreichen werden erst die Lippen berührt, dann die Speise eingeführt und mit dem Löffel leicht auf die Mitte der Zunge gedrückt. Der Mundschluss und das Abziehen der Speisen vom Löffel werden dadurch angeregt.
Der Schluckvorgang kann durch Ausstreichen der Kinnunterseite, von vorn nach hinten, zusätzlich vor dem Beginn der Mahlzeit und zwischen den Schluckakten angeregt werden.
Wichtige Prinzipien, die bei der Durchführung zu beachten sind:
-
Lagerung:
Gute, stabile Sitzposition ggf. den Oberkörper seitlich abstützen.
Die helfende Person und der Betroffene sind in gleicher Augenhöhe, so dass der Kopf des Betroffenen gerade oder noch besser leicht nach vorn gebeugt ist.
-
Mund öffnen/ schließen:
Unterstützung der Bewegung durch den sogenannten Kieferkontrollgriff: Der Daumen liegt in der Grube zwischen Unterlippe und Kinnspitze, der Zeigefinger stützt das Kinn von unten.
-
Zu beachten:
vorsichtige Vorgehensweisen, rütteln und ziehen unterlassen,
wenn möglich Maßnahme durch Betroffen selbst ausführen lassen und dabei Bewegung führen, in den Pausen jeweils den Mundschluss unterstützen und den Schluckvorgang fördern / abwarten
.
Die Erfahrung hat gezeigt, je öfter die Maßnahmen durchgeführt werden umso schneller und nachhaltiger ist der Erfolg. Da die Entwicklung allerdings fast „heimlich“ in kleinen Schritten erfolgt, wird sie oftmals von den Betroffenen nicht wirklich wahrgenommen. Daher ist es empfehlenswert für sich selbst die störenden Probleme aufzuschreiben oder zu filmen und dann nach einiger Zeit den Ist - Zustand mit dem Zustand vorher zu vergleichen.
© Erika Stolze
Beratung - Schulung - Konzeption für Pflegeeinrichtungen
Buchfinkenring 2 in 61276 Weilrod
Tel. 06083 - 940007
Fax: 06083 - 941019
Email: erika.stolze@t-online.de
nach
oben
|