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VORBEUGUNG
DES SCHLAGANFALLS
UNTER BESONDERER BERÜCKSICHTIGUNG
GERINNUNGSVERÄNDERNDER MEDIKAMENTE
1. RISIKOFAKTOREN EINES SCHLAGANFALLS
a) unbeeinflußbar
1. Alter
- häufigste
Erkrankung des höheren Lebensalters
- exponentielle Zunahme mit dem Alter Risiko > 75 Jahre
100 x i.Vgl. zu < 35 Jahre
- häufigste Todesursache im höheren Lebensalter (11.6
% der Gesamtsterblichkeit)
2.Geschlecht
| -
Männer sind häufiger betroffen |
Alter
|
<
45 Jahre
|
|
Frauen |
| |
|
45
- 75 Jahre
|
|
Männer |
| |
|
>75
Jahre
|
|
Frauen |
3. Erbfaktoren
- erhöhtes
Schlaganfallrisiko teilweise erblich bedingt.
b) beeinflußbar
1. Hoher Blutdruck Risiko 4 - 12 x
50
% aller Hirndurchblutungsstörungen treten bei Patienten mit
Bluthochdruck auf
70 % aller Hirnblutungen durch Bluthochdruck bedingt
Anstieg des diastolischen RR um 7 mm Hg verdoppelt das
Risiko
20 % der Bevölkerung leiden an Bluthochdruck, die
meisten ohne es zu wissen!
1/3 ist völlig unzureichend behandelt
2. Herzrhythmusstörungen
Risiko 8 - 10 x
häufigste
Form ist das sogenannte Vorhofflimmern, 0,8% der Bevölkerung,
im Alter deutlich häufiger
bei Vorhofflimmern Risiko für erneuten Schlaganfall
12 % / Jahr
jeder Dritte erleidet im Verlauf seines Lebens einen Schlaganfall
!!
unregelmäßige schnelle Kontraktion der Herzkammern
mit verminderter Blutflußgeschwindigkeit begünstigt
Gerinnselbildung, die in die Hirnstrombahn ausgeschwemmt werden
können (kardiale Embolie - 80 % in Hirngefäße,
20 % in Gefäße der Arme und Beine)
3. Herzkrankheiten
Risiko 2 x
Herzinfarkt
verdoppelt Schlaganfallrisiko
Herzklappenoperationen begünstigen Entstehung von
Schlaganfällen
angeborene Herzfehler sind häufig Schlaganfallursache
bei jüngeren Patienten
4. Rauchen
Risiko 2,5 - 4 x
in
Kombination mit Bluthochdruck steigt das Risiko um Faktor 20
x
Verengung der Arterien, Reduktion der Sauerstoffzufuhr,
erhöhtes Risiko für Vorhofflimmern
besonders junge Frauen sind gefährdet (Nikotin zerstört
Östrogenschutz der Gefäße)
hohes Risiko bei Kombination mit Antibaby-Pille und Migräne
5. Diabetis
mellitus Risiko 2 - 3 x
Diabetes
begünstigt frühzeitige Arteriosklerose
Ernährung der Nervenzellen wird verschlechtert
in 80 % Übergewicht vorhanden, das begünstigend
wirkt
6. Fettstoffwechselstörungen
(Cholesterin) Risiko 2 x
Hypercholesterinämie
verdoppelt Schlaganfallrisiko
fettbetonte, balaststoffreiche Ernährung
Bewegungsmangel
7. Übergewicht
Risiko 2 x
Übergewicht
führt zu hohem Bluthochdruck und Diabetes mellitus mit erhöhtem
Risiko
insbesondere abdominelle Fettverteilung ist entscheidend
für Schlaganfallrisiko (Waist-to Hip-Ratio)
8. Alkoholkonsum
Risiko 1,5 - 2 x
mehr
als 60 g Alkohol / Tag (0,2 l Wein 16 - 18 g)
geringe Menge Alkohol wirkt protektiv "French Paradoxon"
in höherer Dosierung schädlich (RR steigt, Blutgerinnung
wird verändert, Gewicht steigt)
9. Empfängnisverhütungsmittel
Risiko 2 x
in
Kombination mit Rauchen, Übergewicht, Bluthochdruck und Migräne
deutlich erhöhtes Thrombose- und Schlaganfallrisiko
10. Migräne
Risiko 3,5 x
gehäuftes
Auftreten von Schlaganfällen
11. Verengung
einer Halsschlagader Risiko
bei
mehr als 70 % Verengung und Vorboten eines Schlaganfalls OP sinnvoll
alleinige Gefäßverengung ohne Schlaganfallvorboten
keine Indikation für OP
12. Streß
dauerhafter
Streß erhöht den Bluthochdruck und das Schlaganfallrisiko
nach
oben
2.
AUSLÖSER EINES SCHLAGANFALLS
in 15 % Hirnblutung durch Platzen von Arterien durch
hohen Blutdruck
in 5 % Subarachnoidalblutung (Platzen angeborener
Gefäßaussackungen im Bereich der Hirnhäute
in 80 % der Fälle liegt eine Durchblutungsstörung
vor , verursacht durch 1 - 3
VIRCHOWSCHE
TRIAS
| geschädigte
Gefäßwand |
|
erhöhte
Gerinnungsneigung
des
Blutes
|
|
verlangsamte
Blutströmung |
1. Arterienverkalkung
Ateriosklerose
führt zu einem Engpaß im Blutgefäß durch
Anheftung bzw. Ablagerung von Blutfetten, Kalk und Blutplättchen
an der Gefäßwand
bei einer Gefäßdurchmesserreduktion von >
70 % kann nicht mehr genügend Blut durch die Engstelle fließen
2. Blutgerinnselbildung
in Arterien (Thrombose)
Anlagerung
von Blutplättchen und Gerinnungsbestandteilen an einer aufgebrochenen
Stelle der Gefä9wand führt zu vollständigem
Gefäßverschluß
3. Embolie
kleine
Blutgerinnsel (Thromben) können sich ablösen
und ins Gehirn gespült werden und dort ein Gefäß
verschließen
n Thromben entstehen häufig im Herz bei Vorschädigung
bzw. Herzrhythmusstörungen (kardiale Embolie) oder
als abgelöste Wandteile einer Arterie (arterioarterielle
Embolie)
nach
oben
3.
VORBEUGUNG EINES SCHLAGANFALLS
1. Beseitigung
bzw. Milderung der Risikofaktoren
Gewichtsreduktion
salzarme Ernährung
ballaststoffreiche Ernährung, Gemüse, Salat,
Obst
hoher vegetarischer Ernährungsanteil
Nichtrauchen
RR 135/80
2 x 30 Minuten Ausdauersport / Woche
1 Glas Wein / Tag (rot oder weiss)
2. Vorbeugung mit Blutplättchenhemmstoffen
Historie
erster
Blutplättchenhemmstoff Acetylsalicylsäure seit über
100 Jahren (Aspirin)
in achtziger Jahren Ticlopidin (Tiklyd)
seit 1998 zusätzlich Clopidogrel (Plavix, Iscover)
ferner Dipridamol (Persantin /Asasantin) und Trapidil
(Rocornal)
neueste Produkte Abciximab, Tirofiban, Eptifibatid
insgesamt z. Zt. 8 Blutplättchenhemmstoffe
in Deutschland zugelassen
Wirkung
Hemmung
der Zusammenklumpung von Blutplättchen
ASS
Wirkungseintritt
nach 30 - 40 Minuten
u. W. -Schädigung der Magenschleimhaut dosisabhängig
...........-Blutungen dosisunabhängig
...........-allergische Reaktionen
wie Asthma
Dosis 50 - 325 mg (USA / Kanada bis 1300 mg), 50 - 100
mg ausreichend
Primärprävention des Schlaganfalls ohne Wirkung,
sogar erhöhtes Blutungsrisiko
Sekundärprävention relative Risikoreduktion von
13 %
Ticlopidin
Wirkungseintritt
nach 2 Tagen, maximale Wirkung nach 4 - 5 Tagen
i. Vgl. zu ASS weniger Schlaganfälle, Myocardinfarkte,
Thromboembolien insbesondere in Kombination mit ASS weniger Stentverschlüsse
u. W. -Abnahme der weißen Blutkörperchen (ca.
1 %)
...........-Durchfälle (ca.
20 %)
...........-Hautausschlag
Dosis 2 x 250 mg
Sekundärprävention relative Risikoreduktion bis
33 %
Indikation -ASS-Unverträglichkeit
.................-ASS-Kontraindikationen
.................-ASS-Unwirksamkeit
(Schlaganfall unter ASS-Einnahme)
Clopidogrel
Wirkungseintritt
nach 12 h, maximale Wirkung nach 4 - 5 Tagen
i. Vgl. zu ASS insbesondere bei arterieller Verschlußkrankheit
und ausgeprägter Arteriosklerose besser wirksam
Dosis 75 mg
Indikation -ASS-Unverträglichkeit
.................-cerebrale und periphere
Durchblutungsstörungen
Dipyridamol
hemmt
Blutplättchen und vasodilatierende Effekte
kann Angina-pectoris-Anfälle auslösen durch gefäßerweiternde
Wirkung
Kombination von ASS und Dipyridamol ist ASS - Monotherapie
sekundärprophylaktisch überlegen, Risiko für erneuten
Schlaganfall wird um 37 % gesenkt
bei KHK
zusätzlich einsetzbare Blutplättchenhemmstoffe
Trapidil
(Rocornal)
GPIIb-IIIa-Inhibitoren
erzeugen
funktionelle Thrombasthenie, Folge erhöhte Blutungsneigung
Abciximab
ausschließlich
parenteral einsetzbar
Tirofiban
Eptifibatid
Zusammenfassung
Einnahme
von Blutplättchenhemmstoffen (Thrombozytenaggregationshemmer)
senkt das Risiko eines erneuten Schlaganfalls oder einer
erneuten Durchblutungsstörung des Gehirns um 20 - 30 %,
24 % Reduktion tödlicher oder behindernder Schlaganfälle,
17 % Reduktion leichterer Schlaganfälle
Acetylsalicylsäure (ASS) wirkt unabhängig
von Dosis, möglichst geringe Dosis (50 - 100 m pro Tag),
da die unerwünschten Wirkungen teilweise dosisabhängig
auftreten (Magen-, Darmblutungen), das Risiko von Hirnblutungen
ist dosisunabhängig, in der Primärprävention
unwirksam bezüglich Schlaganfall
Acetylsalicylsäure senkt das Risiko eines erneuten
Schlaganfalls um 3 %, das Risiko Schlaganfall, Myocardinfarkt,
vaskulärer Tod um 13 %
Acetylsallicylsäure senkt bei zusätzlich
vorliegenden Herzrhythmusstörungen (Stolperherz) das Risiko
für das erstmalige Auftreten eines Schlaganfalls um
bis zu 42 % (SPAF - Studie, 325 mg ASS)
Kombination zweier Blutplättchenhemmstoffe ist der
Einzeltherapie nach Schlaganfall überlegen (ASS plus Dipyridamol)
Ticlopidin schützt stärker als ASS vor
erneutem Schlaganfall, insbesondere Frauen mittleren Alters, Einsatz
bei ASS-Unverträglichkeit, ASS-Kontraindikationen sowie Wirkungslosigkeit
von ASS aufgrund der Nebenwirkungen
Clopidogrel hat sich in der Verhütung von Schlaganfällen,
Herzinfarkten sowie bei arterieller Verschlußkrankheit bewährt,
eine eindeutige Überlegenheit gegenüber ASS besteht
bei mit PAVK, so daß bevorzugt Patienten mit cerebraler
Durchblutungsstörung und gleichzeitiger PAVK behandelt werden
sollten, relative Risikoreduktion i. Vgl. zu ASS 9 %
Dipyridamol in Kombination mit ASS Reduktion tödlicher
und nicht-tödlicher Schlaganfälle um 38 %
nach
oben
3. Vorbeugung
mit Blutgerinnungshemmstoffen
durch Gabe von Antikoagulantien (Marcumar) läßt
sich bei Vorliegen einer strukturellen Herzerkrankung mit hohem
Hirnembolierisiko das Risiko für das erstmalige Auftreten
eines Schlaganfalls um 60 - 80 % reduzieren
etwa
25 % aller ischämischen Infarkte sind Folge einer
Hirnembolie bei Vorhofflimmern
Risiko
eines Schlaganfalls bei kardialer Embolie 12 % / Jahr
Pimärprävention
mit Marcumar
hohes Hirnembolierisiko
-Chronisches Vorhofflimmern bei KHK/HHK
-Mitralklappenstenose mit Vorhofflimmern
-Mechanischer Klappenersatz
-dilatative Cardiomyopathie
alternativ
bei erhöhtem -300 mg ASS
Blutungsrisiko, z.B.
Alter > 75 Jahre
Sekundärprävention mit Marcumar
-chronisches
Vorhofflimmern (Stolperherz)
-Mitralklappenstenose
-mechanische Herzklappe
dilatative Cardiomyopathie (Herzerweiterung)
-offenes Foramen ovale (Loch in Vorhofscheidewand 25% der Bevölkerung)
-Herzwandaneurysma (Ausbuchtung der Herzwand nach Herzinfarkt)
-Störungen der Blutgerinnung (Protein C- / S-Mangel, AT
III - Mangel)
-hochgradige Verengungen der Halsschlagader (zeitlich befristet)
Empfehlungen bei nicht-rheumatischem Vorhofflimmern
Primärprävention
| <
75 Jahre |
|
geringes
Risiko
|
|
300
mg ASS |
| |
|
mittleres
Risiko |
|
Marcumar |
| |
|
hohes
Risiko |
|
Marcumar |
| |
|
|
|
|
| >
75 Jahre |
|
geringes
Risiko |
|
300
mg ASS |
| |
|
mittleres
Risiko |
|
300
mg ASS |
| |
|
hohes
Risiko |
|
Marcumar
oder ASS 300 mg |
|
|
|
| Sekundärprävention |
|
|
| |
|
|
|
Marcumar
|
Limitationen
der Antikoagulation mit Marcumar
-hoher
Blutdruck
-hohes Alter
-Tumoren
-Multimorbidität
-Magengeschwüre
-Unsichere Einnahme
-Krampfanfälle
-vorbekannte Blutungen
-Alkohol- und Medikamentenmißbrauch
-Verwirrtheitszustände
nach
oben
4. Vorbeugung
mit Heparin
keine generelle
Therapieempfehlung, CCT-Ausschluß einer intrakraniellen
Blutung muß erfolgt sein
sinnvoll bei kardiogenen Embolien mit hohem Rezidivrisiko, hochgradigen
Gefäßverengungen und bekannter Gerinnungsstörungen
empfohlene Therapiedauer 7 - 10 Tage
Risiko einer Blutung (2 %) ist fast höher als Schutz vor
Schlaganfall (Risiko 2,5 %)
jedoch Schutz vor Thrombose / Lungenembolie
| |
|
Vorteile
|
|
Nachteile |
| |
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|
|
|
| unfrationiertes
Heparin |
|
-keine |
|
-mehrfach
tägliche Injekt.
-Nebenwirkungen bei
Langzeitgabe |
| |
|
|
|
|
| niedermolekulares
Heparin |
|
-einmal
tägl.Injektion
-geringere Nebenwirkungen |
|
-bei
Langzeitanwendung
teurer |
| |
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|
|
|
| orale
Antikoagulation |
|
-oral
verabreichbar
-preisgünstig bei Lang-
zeitgabe
|
|
-häufige
Laborkontrollen
-Latenzzeit von mehreren
Tagen bis Wirksamkeit
-Interaktion mit anderen
Pharmaka und Nahrungs-
mitteln
-erhöhtes Blutungsrisiko |
Quellen:
- Mäurer
H. Ch., Diener H.-Ch.: Der Schlaganfall. Thieme 1996
- Poeck K., Hacke W.: Neurologie. Springer 1998
- Kolominsky-Rabas P.: Schlaganfall. TKK 1999
- Haas P., Haas S.: Niedermolekulare Heparine. Zett 1996
- Herold G.: Innere Medizin. 1998
- Huber K., Andreesen R.: Hemmung der Thrombozytenaggregation
als therapeutisches Prinzip. Der Internist 04/2000
nach
oben
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